Produktsicherheit und Produkthaftung

Mit der Globalisierung der Absatzmärkte haben die Produkthaftungsrisiken durch kostspielige Rückrufaktionen und Schadensersatzklagen aufgrund fehlerhafter Produkte stetig zugenommen.

Der regulatorische Rahmen zur Zulassung von Produkten in den einzelnen Märkten ist zudem ständig dichter und die Anforderungen an die Verkehrsfähigkeit einzelner Produkte sind im EU-Bereich immer komplexer geworden. Wir analysieren die maßgeblichen gesetzgeberischen Entwicklungen bereits im Vorfeld und beraten unsere Mandanten bei der Zulassung von Produkten und zu den Anforderungen an Produktsicherheit.

Zur Risikominimierung wirken wir am Aufbau effektiver Qualitätssicherungssysteme mit. Im Schadensfall begleiten wir in Abstimmung mit dem Haftpflichtversicherer die notwendigen Maßnahmen und werden bei der Abwehr von Schadensersatzansprüchen tätig.

Zu unseren Mandanten zählen unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Pharma, Medizintechnik und Maschinenbau.

  • Beratung zur Zulassung und Verkehrsfähigkeit von Produkten
  • Unterstützung des Produktmarketings im Hinblick auf zukünftige regulatorische Anforderungen im Bereich der EU
  • Schulung im Hinblick auf Instruktions- und Warnpflichten
  • Meldung von Schadensfällen und etwaigen Produktgefahren gegenüber Behörden
  • Steuerung von Rückrufaktionen
  • Abwehr und Durchsetzung von Haftpflichtansprüchen
  • Rückrufaktionen / Notfallpakete
  • Präventive Unternehmensschulung in allen vorgenannten Bereichen
  • Produkt-Compliance
  • Kennzeichnung von Produkten

 

10.03.2017
BGH zu Herstellerangaben auf Produkten

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Händler Verbraucherprodukte, auf denen Name und Anschrift des Herstellers fehlen, nicht vertreiben dürfen. Hinsichtlich einer ordnungsgemäßen Kennzeichnung obliegen Händlern Prüf- und Kontrollpflichten. Werden fehlerhaft gekennzeichnete Produkte unter Missachtung der Prüfpflicht dennoch vertrieben, so ist eine Haftung auf Unterlassung, Beseitigung und Schadenersatz möglich.

Sachverhalt

Betroffen war ein Unternehmen, das Kontaktlinsen vertreibt, diese jedoch nicht selbst herstellt sondern von einem Hersteller bezieht. Der Hersteller der Kontaktlinsen gab seinen Namen und seine Anschrift nicht auf den Produkten an. Der betroffene Händler missachtete dies und vertrieb die Produkte trotz fehlender Kennzeichnung.

Entscheidung

Der Bundesgerichtshof entschied, dass Verbraucherprodukte, die den Namen und die Anschrift des Herstellers nicht erkennen lassen, nicht verkauft werden dürfen. Im Grundsatz sei nach § 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) nur der Hersteller zur Angabe von Namen und Anschrift auf Produkten bzw. Verpackungen verpflichtet. Die Kennzeichnung sei notwendig, um Verbraucher umfassend über die Identität des Herstellers zu informieren und eine schnelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen.
Nach § 6 Abs. 5 ProdSG müssten Händler jedoch dazu beitragen, dass nur sichere Produkte auf dem Markt angeboten werden. Waren, die nicht den Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes entsprechen, dürften von Händlern nicht vertrieben werden. Die Angabe des Namens und der Kontaktanschrift des Herstellers sei für die Sicherheit von Verbraucherprodukten bedeutend, so der BGH. Händler, die Waren vertreiben, die nicht entsprechend gekennzeichnet sind, verstoßen daher gegen § 6 Abs. 5 ProdSG. § 6 Abs. 5 ProdSG sei als Marktverhaltensregel im Sinne des § 3a UWG zu bewerten. Verbraucher sollen davor geschützt werden, mit unsicheren Produkten in Berührung zu kommen. Händler die dies durch Verletzung der Prüfpflicht missachten, handeln mithin wettbewerbswidrig.

Fazit

Händlern ist zu empfehlen, eigens vertriebene Waren stets zu überprüfen. Nicht ordnungsgemäß gekennzeichnete Produkte sollten nicht vertrieben werden. Werden fehlerhaft gekennzeichnete Waren dennoch vertrieben, so kann der betroffene Händler auf Beseitigung, Unterlassung und ggf. Schadenersatz haften.

 

BGH, 12.01.2017, Az. I ZR 258/15

 

Bei weiteren Fragen zu Produktsicherheit und Produkthaftung stehen wir gern zur Verfügung.

 


Dominik Rücker, LL.M.
Rechtsanwalt

Daniel Christian Pohl, LL.M.
Rechtsanwalt

Kontakt

 

Tel.: +49 231 286598-0
Mail: kontakt@awpr.de

 

15.08.2016
Rücknahmepflicht für Elektro-Altgeräte in Kraft getreten

Seit dem 25. Juli 2016 muss der Handel ausgediente Elektro- und Elektronikgeräte zurücknehmen. Die Pflicht gilt nicht nur für den stationären Einzelhandel, sondern auch für den Online-Handel.

Das Elektrogesetz ist bereits am 24. Oktober 2015 in Kraft getreten. Es setzt die im Jahr 2012 gefasste Richtlinie 2012/19/EU über Elektro- und Elektronik-Altgeräte um.

 

Wer ist zur Rücknahme verpflichtet?

Zur kostenlosen Rücknahme von Altgeräten sind alle Händler verpflichtet, die auf mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche Elektrogeräte verkaufen. Beim Onlinehandel ist die Versand- und Lagerfläche zugrunde zu legen.

Händler, die danach nicht verpflichtet sind, können weiterhin Elektro-Altgeräte freiwillig zurücknehmen.

 

Wann greift die Rücknahmepflicht?

Hier ist zwischen kleinen und großen Elektrogeräten zu differenzieren

Große Elektrogeräte wie Fernseher und Kühlschränke müssen kostenlos zurückgenommen werden, wenn ein entsprechendes Gerät neu gekauft wird.

Kleine Elektrogeräte wie Rasierer, elektronische Zahnbürsten und Handys müssen immer, d.h. auch ohne den Erwerb eines neuwertigen Geräts, kostenlos zurückgenommen werden. Zu beachten ist, dass ein Elektrogerät nicht mehr „klein“ ist, wenn es in einer Abmessung länger als 25 Zentimeter misst.

 

Wie wird die Verkaufsfläche berechnet?

Die Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mindestens 400 Quadratmetern im sog. stationären Handel nach § 17 Abs. 1 ElektroG wird nach der Grundfläche berechnet. Dies wird ausdrücklich in den Begründungen des Gesetzes in der Bundestags-Drucksache 18/4901 v. 13.05.2015 (S. 91) und der Bundesrats-Drucksache 127/15 v. 27.03.2015 (s. 131 ff.) festgestellt, wo es heißt: „Diese Fläche bezieht sich auf die Grundfläche und nicht die Regalfläche, maßgeblich dabei ist zudem bei Filialunternehmen oder sog. Shop-in-Shops die Fläche eines jeden einzelnen Geschäftes.“ Auf die Fläche, die ein Gerät beansprucht, kommt es nicht an.

Im Online-Handel gelten als Verkaufsfläche alle Lager- und Versandflächen für Elektro- und Elektronikgeräte. Offen und strittig ist die Frage, wie die Lager- und Versandflächen im Online-Handel gemäß § 17 Abs. 2 ElektroG zu berechnen sind. Weder das Elektrogesetz selbst, noch die Gesetzesbegründungen enthalten dazu eine eindeutige Aussage. Als Versandfläche wird man die Fläche ansehen müssen, auf der die Pakete verpackt und kommissioniert werden, also z.B. auch Pack- bzw. Schreibtische. Nach Auffassung des Bundesministeriums für Umwelt (BMUB) soll sich die im Gesetz genannte Lagerfläche bei Online-Händlern nicht auf die Grundfläche, sondern auf die Regalfläche beziehen; danach müssten Regalflächen z.B. in Hochregalen addiert werden, eine 100 Quadratmeter große Lagerhalle mit 4 Regal-Etagen hätte also 400 Quadratmeter Lagerfläche.

Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass sich die Lager- und Versandfläche von 400 Quadratmetern auf die reine bzw. ausschließliche Lagerung für Elektro- und Elektronikgeräte bezieht, nicht auf das gesamte Warensortiment des Online-Händlers aus verschiedenen Produktkategorien.

 

Mehrere Niederlassungen?

„Bei Vertreibern mit mehreren Versandlagern ist ausschließlich die Fläche am jeweiligen Standort maßgeblich.“ (Bundesrats-Drucksache 127/15 v. 27.03.2015 (S. 135) und Bundestags-Drucksache 18/4901 v. 13.05.2015 (S. 91))

Zu einem Standort gehören Gebäude der gleichen postalischen Adresse oder mit derselben Postleitzahl. Zwei oder mehr Lagerhallen an einem Standort sollen als ein Standort berechnet werden. Gibt es mehrere Lagerhallen an verschiedenen Orten, werden diese Flächen nicht addiert, sondern getrennt bewertet.

Wenn der Online-Händler bundesweit mehrere Standorte und Lagerflächen unterhält, die für sich genommen die Fläche von 400 Quadratmetern nicht erreichen, wird somit eine Rücknahmepflicht nicht bestimmt. Es kommt ausschließlich auf die Fläche an jedem einzelnen Standort an. Jede Verkaufsfläche in jeder Niederlassung ist also für sich zu betrachten.

 

Nachweispflicht?

Nach § 6 ElektroG ist ein Hersteller, bevor er Elektro- oder Elektronikgeräte in Verkehr bringt, verpflichtet, sich bei der zuständigen Behörde mit der Geräteart und Marke registrieren zu lassen. Eine entsprechende Pflicht für Vertreiber von Elektro- und Elektronikgeräten besteht nach dem ElektroG nicht.

Nach § 25 Abs. 3 ElektroG müssen Vertreiber, die Altgeräte nach § 17 Abs. 1-3 ElektroG zurücknehmen, der zuständigen Behörde die eingerichteten Rücknahmestellen vor Aufnahme der Rücknahmetätigkeit anzeigen. Nach § 29 ElektroG treffen jeden Vertreiber Mitteilungspflichten im Zusammenhang mit Rücknahmepflichten.

 

Bei weiteren Fragen zur Rücknahmepflicht für Händler stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Dominik Rücker, LL.M.
Rechtsanwalt
Telefon: +49231 / 2865980
ruecker(at)awpr.de
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