E-Business & Social Media

Die rechtlichen Anforderungen im E-Business unterliegen im europäischen Kontext einem stetigen Wandel, der eine Vielzahl von rechtlichen Themengebieten betrifft.

Im Bereich des E-Commerce zählen dazu lediglich beispielhaft die Vielzahl von Anforderungen und Informationspflichten der Anbieter aufgrund der Vorgaben im elektronischen Geschäftsverkehr, im Fernabsatz, des Datenschutz oder des Wettbewerbs- und AGB-Rechts.

Daneben entstehen auf den Portalen und im Bereich der Werbung, insbesondere auch im Bereich Social Media, neue Fragestellungen, die die Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz von Kunden und Mitarbeitern betreffen.

  • E-Commerce / Online-Vertrieb
  • Plattformen und Social Media
  • Marken und Domains
  • Werbung und Emails
  • E-Payment
  • Webdesign
  • Allgemeine Nutzungsbedingungen
  • Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
  • Datenschutz
  • Pflichtangaben / Impressum
  • Persönlichkeitsschutz

 

06.06.2017
OLG Dresden zum „Zu-Eigen-Machen“ von Inhalten durch „Teilen“ in sozialen Medien

In sozialen Medien besteht die Möglichkeit Inhalte mit anderen Nutzern zu „teilen“. Diese Funktion ermöglicht es, auf Inhalte hinzuweisen, ohne gleichzeitig eine eigene Bewertung abzugeben. Rechtlich umstritten ist, ob das bloße Teilen eines Beitrags zu einem „zu-eigen-machen“ des geteilten Inhalts und somit zu einer Haftung für den Inhalt führt. Das Oberlandesgericht hat dies in seinem Urteil vom 7. Februar 2017 verneint.

Sachverhalt

Ein Facebook Nutzer hatte einen Beitrag eines Schriftstellers, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitler verglichen wurde, geteilt. Zusätzlich gab der Nutzer mit dem geteilten Inhalt die Leseempfehlung „zu erwägenswert, um ihn zu unterschlagen“ ab.

Entscheidung

Das OLG Dresden entschied, dass das bloße Teilen eines Inhalts nicht zu einem „zu-eigen-machen“ führe und eine Haftung für das bloße Teilen daher abzulehnen sei. Eine fremde Äußerung mache sich der Nutzer nur dann zu Eigen, wenn sich diese in die eigenen Gedankengänge einfüge und der Anschein erweckt werde, es sei eine eigene Äußerung. Das sei immer dann zu bejahen, wenn ein Nutzer eine Identifizierung mit dem Inhalt zum Ausdruck bringe, etwa indem er den geteilten Beitrag positiv kommentiert.

Darüber hinaus sei zu berücksichtigen, wie der durchschnittliche Empfänger den geteilten Beitrag bei lebensnaher Betrachtung verstehen müsse. Vorliegend könne die Leseempfehlung des Nutzers von den Empfängern (die den Nutzer und seine Position kennen) nur so verstanden werden, dass er sich inhaltlich mit dem geteilten Beitrag identifiziere. Der Nutzer mache mit den Worten „zu erwägenswert“ klar, dass er sich mit dem geteilten Inhalt auseinandergesetzt habe und diesen für derart wichtig erachte, dass er ihn seinen Facebook-Freunden nicht vorenthalten könne. Das OLG Dresden entschied daher, dass der betroffene Nutzer sich den Inhalt zu Eigen gemacht habe.

Abschließend ist festzustellen, dass das „Teilen“ von Beiträgen grundsätzlich nicht zu einem „zu-eigen-machen“ und einer damit einhergehenden Haftung führt. Wird der geteilte Beitrag hingegen mit einer Leseempfehlung bzw. einem Kommentar o.ä. versehen, so kann darin ein „zu-eigen-machen“ liegen und eine Haftung verursacht werden.

OLG Dresden, 07.02.2017, 4 U 1419/16

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19.05.2017
OS-Plattform Verlinkung bei Angeboten auf Online-Marktplätzen nicht erforderlich

Grundsätzlich sind Online-Händler durch die EU-Verordnung Nr. 524/2013 (ODR-Verordnung) verpflichtet, auf eigenen Webseiten einen Hinweis und einen Link zur Europäischen Online-Streitbeilegungs-Plattform (OS-Plattform) bereitzuhalten. Das Oberlandesgericht Dresden hat entschieden, dass Online-Marktplatzhändler nicht zusätzlich zum Betreiber des Online-Marktplatzes verpflichtet sind, auf dessen Webseite einen Link zur Streitbeilegungsplattform bereitzuhalten.

Sachverhalt

Vorliegend ist die Ausgangskonstellation besonders, da Online-Händler grundsätzlich nur zur Bereithaltung des Links auf der eigenen Webseite verpflichtet sind, hier jedoch eine Vermarktung der Waren und Dienstleistungen über Händlershops auf Online-Marktplätzen wie Amazon oder eBay stattfindet. Der Beklagte vertrieb Waren auf der Verkaufsplattform Amazon-Marketplace, ohne einen Hinweis auf oder einen Link zur OS-Plattform bereitzustellen. Dies rügte der klagende Wettbewerbsverband, da er hierin eine Verletzung der Pflicht aus Art. 14 Abs. 1 S. 1 der Verordnung Nr. 524/2013, mithin einen Wettbewerbsverstoß sah. Online-Händler treffe auch bei Angeboten auf Online-Marktplätzen eine Pflicht zur Einstellung des Links auf die OS-Plattform, weil möglichst viele Verbraucher Kenntnis von dem Bestehen der Streitbeilegungsplattform erlangen sollten.

Entscheidung

Das Oberlandesgericht Dresden wies die Berufung des Klägers zurück. Der geltend gemachte Unterlassungsanspruch aus §§ 8 Abs. 1 S. 1, Abs. 3 Nr. 2, 3a UWG in Verbindung mit Art. 14 Abs. 1 S. 1 ODR Verordnung bestehe nicht. Der beklagte Online-Händler sei nicht verpflichtet, seinem Angebot auf dem Amazon-Marketplace mit einem Links zur OS-Plattform zu versehen. Der Wortlaut des Art. 14 Abs. 1 S. 1 ODR-Verordnung sei diesbezüglich eindeutig. Danach hätten Unternehmer und Online-Marktplätze den Link zu der Plattform auf „ihren Websites“ einzustellen. Die Webseite eines Online-Marktplatzes, auf dem Online-Händler Angebote einstellen, sei keine eigene bzw. nicht diejenige des Online-Händlers. Daher greife die Pflicht zum Hinweis und zur Verlinkung der OS-Plattform nicht. Das Gericht stellte ferner klar, dass sowohl die Gesamtheit der Webseite eines Marktplatzes als auch die einzelne Angebotsseite, die das Angebot eines Online-Händlers enthält, klar dem Online-Marktplatz und nicht dem einzelnen Händler zuzuordnen sei. Dafür spreche auch, dass die Internetadresse auf den Marketplace-Betreiber lautet. Aus diesem Grund sei nur der Betreiber der Online-Marktplatzplattform verpflichtet, auf die Streitbeilegungsplattform zu verlinken und hinzuweisen.

OLG Dresden, 17.01.2017, 14 U 1462/16

Weitere Hinweise zu den Informationspflichten für Online-Händler betreffend außergerichtliche Streitbeilegung finden Sie unter: http://awpr.de/e-commerce-update/aussergerichtliche-streitbeilegung-wieder-neue-informationspflichten-nicht-nur-fuer-online-haendler-und-dienstleister/#more-3190

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06.04.2017
BGH zum Zu-Eigen-Machen von Äußerungen durch den Betreiber eines Bewertungsportals

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Betreiber eines Internet-Bewertungsportals sich Nutzerbewertungen zu eigen macht und für falsche Tatsachenbehauptungen haftet, wenn er diese auf Rüge des Betroffenen überprüft und inhaltlich nicht ausreichend abändert.

Sachverhalt

Die Betreiberin einer Klinik für HNO- und Laser-Chirurgie hatte den Betreiber eines Internet-Bewertungsportals, in das Patienten ihre Bewertung von Kliniken einstellen können, auf Unterlassung von Äußerungen in dem Portal in Anspruch genommen. Ein Patient, der in der Klinik an der Nasenscheidewand operiert worden war stellte auf dem Bewertungsportal einen Erfahrungsbericht über die Klinik ein. Darin berichtete er darüber, dass 36 Stunden nach der Operation und nach Verlegung in ein anderes Krankenhaus eine Sepsis aufgetreten sei. Konkret behauptete er, dass es „bei“ einem Standardeingriff zu einer septischen Komplikation gekommen ist, das Klinikpersonal mit der lebensbedrohlichen Notfallsituation überfordert gewesen sei und dass dies beinahe zu seinem Tod geführt habe. Die Klinikbetreiberin forderte den Betreiber des Internetportals auf, den Beitrag aus dem Portal zu entfernen. Der Portalbetreiber hingegen nahm ohne Rücksprache mit dem Verfasser der Bewertung, Änderungen an dieser vor, indem er einen Zusatz einfügte und einen Satzteil strich. Diese Änderungen sowie die Auffassung, dass „weitere Eingriffe“ nicht angezeigt seien, wurden der Betreiberin des Krankenhauses mitgeteilt.

Entscheidung

Der Bundesgerichtshof wies die vom OLG Frankfurt a.M. zugelassene Revision zurück. Der Portalbetreiber habe sich die angegriffenen Äußerungen zu eigen gemacht und hafte als unmittelbarer Störer. Er habe die Äußerungen des Patienten auf die Rüge der Klinikbetreiberin inhaltlich überprüft und Einfluss genommen, indem er selbständig und ohne Rücksprache mit dem Verfasser der Bewertung entschieden habe, welche Äußerungen er abändert, entfernt oder beibehält. Da der Portalbetreiber der Klinikbetreiberin die seinerseits vorgenommenen Änderungen mitgeteilt habe, habe er auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung aller Umstände die inhaltliche Verantwortung für die gerügten Äußerungen übernommen. Das Recht des Portalbetreibers auf Meinungsfreiheit habe hinter dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht der Klinikbetreiberin zurückzutreten, weil es sich bei den angegriffenen Äußerungen um unwahre Tatsachenbehauptungen und um Meinungsäußerungen auf unwahrer Tatsachengrundlage und mit unwahrem Tatsachenkern handele.

BGH, 04.04.2017, VI ZR 123/16

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17.02.2017
Beschränkung eines Internetangebots auf Gewerbetreibende

Unternehmen, die im elektronischen Rechtsverkehr mit Verbrauchern kontrahieren, müssen umfangreiche und komplexe gesetzliche Vorgaben zum Verbraucherschutz beachten. Eine Möglichkeit, diese gesetzlichen Vorgaben zu umgehen, besteht darin, eigene Leistungen grundsätzlich nicht gegenüber Verbrauchern anzubieten.

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass die Beschränkung eines Internetangebots auf Gewerbetreibende grundsätzlich möglich ist. Dies folge aus der im Zivilrecht geltenden Privatautonomie. Neben deutlichen Hinweisen an geeigneter Stelle sei der Ausschluss von Verträgen mit Verbrauchern aber in erheblichem Maße sicherzustellen. Ist der Nutzer angehalten, seine gewerbliche Nutzung zu bestätigen, so müsse dies klar und hervorgehoben zum Ausdruck gebracht werden. Eine Bezugnahme auf allgemeine Geschäftsbedingungen reiche grundsätzlich nicht aus.

Sachverhalt

Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Internetseite, auf der die kostenpflichtige Nutzung einer Datenbank mit Kochrezepten angeboten wurde. In einem mehrfach angezeigten Textfeld wurde die Nutzung auf „Firmen, Gewerbetreibende, Vereine, Handwerksbetriebe, Behörden oder selbstständige Freiberufler im Sinne des § 14 BGB“ beschränkt. Der Ausschluss war auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) enthalten. Im Rahmen des Anmeldevorgangs auf der Webseite erschien folgender Text: „Ich akzeptiere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und bestätige ausdrücklich meinen gewerblichen Nutzungsstatus.“

Die Betreiberin der Internetseite wurde durch einen in die Liste qualifizierter Einrichtungen gemäß § 4 Unterlassungsklagengesetz (UKlaG) eingetragenen Verein abgemahnt. Der Verein rügte eine bewusst intransparent dargestellte Beschränkung auf Unternehmer sowie weitere Verstöße gegen verbraucherschützende Vorschriften.

Entscheidung

Das OLG Hamm sprach dem klagenden Verein einen aus §§ 2 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 Nr. 1b, 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 1, a Abs. 1 UKlaG resultierenden Unterlassungsanspruch zu. Die Webseite genüge nicht den verbraucherschützenden Vorschriften aus § 312j BGB, Art. 246 § 1 EGBGB.

Die Beschränkung des Internetangebots auf Gewerbetreibende sei aufgrund der im Zivilrecht geltenden Privatautonomie grundsätzlich möglich. Maßgeblich sei jedoch, dass der Wille des Webseitenbetreibers klar und transparent zum Ausdruck komme sowie dass der Ausschluss von Verträgen mit Verbrauchern in erheblichem Maße sichergestellt sei. Im vorliegenden Fall befanden sich entsprechende Hinweistexte nur am Rand der Seite. Die Texte waren nicht hervorgehoben, erst durch Scrollen sichtbar und daher leicht zu übersehen. Auch war das Feld „Firma“ kein Pflichtfeld. Am Schluss der Bestellung mussten sowohl die AGB als auch der Status als gewerblicher Nutzer durch Markierung eines Kästchens bestätigt werden. Blieb dies aus, so wurde jedoch nur auf die Bestätigung der AGB hingewiesen. Das Gericht folgerte daraus, dass der Eindruck erweckt werde, dass die Anmeldung nicht von dem Status als gewerblicher Nutzer abhänge. Verbraucher müssten auch nicht mit einer derartigen Beschränkung an dieser Stelle rechnen.

Fazit

Die Entscheidung bestätigt die bisherige Rechtsprechung, wonach grundsätzlich kein Kontrahierungszwang mit Verbrauchern besteht. Unternehmen haben die Möglichkeit, Geschäfte mit Verbrauchern auszuschließen. Ein solcher Verbraucherausschluss ist klar und eindeutig mitzuteilen. Hinweise sollten zentral positioniert und deutlich hervorgehoben werden. Es empfiehlt sich, im Rahmen des Bestellvorgangs, ein Markierungskästchen für den Status als gewerblicher Nutzer einzurichten.

 

OLG Hamm, 16.11.2016, I-12 U 52/16

 

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13.01.2017
OLG Köln zur Angabe von Kontaktdaten im Online-Handel

Elektronische Kontaktdaten wie die E-Mail-Adresse sind für den Kundenkontakt unerlässlich. Das OLG Köln hat entschieden, dass Online-Shops immer über die Möglichkeit einer schnellen Kontaktaufnahme informieren müssen. Dies muss aber nicht zwingend per Telefon möglich sein.

Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen den Online-Shop amazon.de. Beim Bestellvorgang auf amazon.de erscheint vor Abschluss der Bestellung eine Seite auf der der Verweis „Kontaktieren Sie uns“ angeklickt werden kann. Darauf öffnet sich eine Seite mit den Auswahloptionen „E-Mail“, „Telefon“ und „Chat“. Die Option „Telefon“ ist so ausgestaltet, dass der Kunde einen Rückruf seitens amazon.de anfordern kann. Darüber hinaus wird auf „allgemeine Hilfenummern“ verwiesen. Dort sind verschiedene Telefonnummern der Beklagten hinterlegt. Im Impressum sind weder Telefon- noch Faxnummer hinterlegt.

Der Kläger war der Ansicht, dass amazon.de Verbraucher vor Abschluss von Verträgen unzureichend über Telefon- und Faxnummer informiert. Insbesondere genüge der Rückrufservice einer schnellen Kontaktaufnahme nicht. Konkret rügte der Kläger einen Verstoß gegen § 312d Abs. 1 BGB in Verbindung mit Art. 246a § 1 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EGBGB.

Art. 246a § 1 Abs. 1 S. 1 Nr 2 EGBGB regelt, dass ein Unternehmer nach § 312d Abs. 1 BGB verpflichtet ist, Verbraucher über seine Telefonnummer und gegebenenfalls seine Telefaxnummer und E-Mail-Adresse zu informieren.

Das Landgericht Köln hatte entschieden, dass Art. 246a § 1 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EGBGB im Licht von Art. 6 Abs. 1 Richtlinie 2011/83 EU über die Rechte der Verbraucher (Verbraucherrechte-Richtlinie) richtlinienkonform dahin auszulegen ist, dass der Unternehmer gehalten ist, dem Verbraucher Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, die ihm eine schnelle Kontaktaufnahme und effiziente Kommunikation mit dem Unternehmer erlauben. Wird dies bspw. durch eine Rückrufoption, E-Mail oder Chatmöglichkeit erfüllt, so ist die zusätzliche Angabe einer Telefon- oder Telefaxnummer nicht erforderlich.

Diesbezüglich bezog sich das Gericht u.a. auf den Wortlaut des Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB. Danach habe der Unternehmer „gegebenenfalls seine Telefonnummer, Faxnummer und E-Mail-Adresse“ anzugeben. Soweit daher Art. 246a EGBGB die Angabe von Telefonnummer und „gegebenenfalls“ der Telefaxnummer und E-Mail-Adresse verlange, gehe er über die Richtlinie hinaus und sei richtlinienkonform dahingehend auszulegen, dass sich das „gegebenenfalls“ auf alle drei dort genannten Kommunikationsmittel beziehe. Inhaltlich sei demnach nicht die Existenz eines Telefon- oder Telefaxanschlusses maßgeblich, sondern, auf welchem Weg eine schnelle und effiziente Kommunikation des Verbrauchers mit dem Unternehmer gewährleistet sei. Die von der Beklagten bereitgestellten Kommunikationswege genügen diesen Anforderungen. Die hervorgehobene Angabe einer Telefon- oder Telefaxnummer sei nicht erforderlich.

In der Berufungsinstanz entschied das Oberlandesgericht Köln, dass ein Verstoß der Beklagten gegen Verbraucherschutzvorschriften nicht besteht. Art. 246a EGBGB weiche von Art. 6 Abs. 1 VerbraucherRRL insofern ab, als dass nach dem Wortlaut des Art. 246a § 1 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EGBGB die Telefonnummer immer anzugeben ist, Faxnummer und E-Mail-Adresse dagegen nur „gegebenenfalls“. Eine weitere Abweichung bestehe darin, dass das von der Richtlinie vorgesehene Erfordernis einer schnellen Kontaktaufnahme und effizienten Kommunikation vom deutschen Gesetzgeber nicht übernommen worden ist. Das Erfordernis einer schnellen Kontaktaufnahme und effizienten Kommunikation sei im Europarecht entscheidend. Soweit die schnelle Kontaktaufnahme und effiziente Kommunikation anderweitig gewährleistet sind, sei die Angabe einer Telefonnummer fakultativ. Stelle der Unternehmer ausreichend andere Möglichkeiten zur Verfügung, ist weder die Angabe einer Telefonnummer noch einer Telefaxnummer vor der Vertragserklärung des Verbrauchers zwingend erforderlich. Amazon.de genüge diesen Anforderungen, da mit dem Rückrufsystem und den Möglichkeiten, per E-Mail oder per Chat Kontakt aufzunehmen, ausreichend andere Kommunikationsmöglichkeiten eingeräumt werden.

 

OLG Köln, 08.07.2016, 6 U 280/15

 

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27.09.2016
Facebook-Einladungs-E-Mails – Die Entscheidung des BGH zur „Freunde finden“-Funktion

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Einladungs-E-Mails, die der Anbieter eines sozialen Netzwerks im Internet an Empfänger sendet, die nicht Mitglieder des sozialen Netzwerks sind und in den Erhalt der E-Mails nicht ausdrücklich eingewilligt haben, eine unzumutbare Belästigung i.S.d. § 7 Abs. 2 Nr. 3 UWG darstellen.

Ferner urteilte das Gericht, dass es sich um eine wettbewerblich relevante Irreführung i.S.d. § 5 Abs. 1 Satz 1 UWG handelt, wenn der Anbieter eines sozialen Netzwerks im Internet die Nutzer im Rahmen des Registrierungsvorgangs über Art und Umfang der mit dem Import von Kontaktdaten verbundenen Datennutzung täuscht.

Ausgangspunkt des Verfahrens war eine E-Mail, die eine Mitarbeiterin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände (vzbv) am 21.4.2010 von einem Bekannten bekam, der sich bei Facebook registriert hatte. In dieser E-Mail wurde sie eingeladen, sich bei Facebook anzumelden. Eine Einwilligung in die Zusendung dieser E-Mail hatte die Mitarbeiterin des klagenden Bundesverbands der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände nicht erteilt. Am 8.5.2010 erhielt sie außerdem eine Erinnerungs-E-Mail. Der Kläger (vzbv) rügte, dass die Einladungs-E-Mails, die an Personen versendet werden, die nicht bei Facebook registriert sind, eine belästigende Werbung darstellen würden.

Der Bundesgerichtshof entschied, dass die über die Funktion „Freunde finden“ ausgelöste ungefragte Versendung von Einladungs-E-Mails an Personen, die nicht auf der Plattform registriert sind, eine belästigende Werbung darstellt und unzulässig ist. Maßgeblich sei dabei, dass die E-Mails keine privaten Mitteilungen sondern Facebook-Werbung darstellten. Dass die Versendung der E-Mails durch den registrierten Nutzer erfolgt, ändere daran nichts, da es sich um eine Funktion handelt, die Facebook selbst zur Verfügung gestellt hatte. Die Empfänger der E-Mails hätten nicht ausdrücklich in die Versendung eingewilligt.

Darüber hinaus habe Facebook seine Nutzer bei der Registrierung für die Funktion „Freunde finden“ über Art und Umfang der Nutzung importierter Kontaktdaten in unzulässiger Weise irregeführt. Der im ersten Schritt des Registrierungsvorgangs angezeigte Hinweis „Sind deine Freunde schon bei Facebook?“ erkläre nicht, dass importierte E-Mail-Adressen ausgewertet und Einladungs-E-Mails an Personen, die Facebook noch nicht nutzen, versendet werden. Die an anderer Stelle auf der Webseite angegebenen detaillierteren Informationen könnten die Irreführung nicht ausschließen, da nicht sichergestellt sei, dass Nutzer diese zur Kenntnis nehmen.

 

BGH, 14.01.2016, I ZR 65/14

 

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01.09.2016
Schadenersatz nach Preismanipulation des Verkäufers bei eBay-Auktion („Shill Bidding“)

Ein eBay-Verkäufer kann sich wegen Manipulation des Auktionsverlaufs durch Eigengebote schadensersatzpflichtig machen. Im vorliegenden Verfahren hatte der Bundesgerichtshof den Verkäufer eines VW Golf VI zu einem Schadensersatz in Höhe von EUR 16.500,- verurteilt, nachdem dieser mittels eines weiteren Ebay-Accounts den Preis für sein eigenes Angebot in die Höhe getrieben hatte.

Sachverhalt

Der Beklagte bot auf der Auktionsplattform eBay einen gebrauchten PKW VW Golf 6 zu einem Startpreis von 1 € an. Der Kläger war neben einem unbekannt gebliebenen Fremdbieter, der 1 € geboten hatte, der einzige weitere Fremdbieter, der sich an der Auktion beteiligte. Die Gebote des Klägers wurden durch den beklagten Verkäufer immer wieder durch eigene Gebote, die er über sein zweites Benutzerkonto abgab, überboten. Solche Eigengebote sind laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von eBay unzulässig. Bei Auktionsende war der Beklagte mit seinem Gebot in Höhe von 17.000 € Höchstbietender. Der Kläger kam mit seinem danach in gleicher Höhe abgegebenen Gebot nicht mehr zum Zuge, woraufhin er Schadenersatz in Höhe von mindestens 16.500 €, dem geschätzten Marktwert des Fahrzeugs, geltend machte.

Urteil

Der Bundesgerichtshof entschied zugunsten des Klägers. . Der Senat bewertete das Verkaufsangebot mit einem Anfangspreis von 1 € als verbindliches Verkaufsangebot im Sinne des § 145 BGB, welches an denjenigen Bieter gerichtet war, der zu Auktionsende Höchstbietender sein würde. Aus der in § 145 BGB enthaltenen Definition ergebe sich hingegen, dass die Schließung eines Vertrages „einem anderen“ anzutragen ist. Daher konnte der Beklagte mit seinen Eigengeboten keinen wirksamen Vertragsschluss herbeiführen. Demnach war der Kläger bei Auktionsende mit seinem Gebot von 1,50 € Höchstbietender. Das Gericht betonte dabei, dass die späteren Gebote des Klägers keine auf das jeweilige Maximalgebot bezifferten und auf den Abschluss eines Kaufvertrages gerichteten Annahmeerklärungen darstellten. Der Inhalt der Gebote erschöpfe sich darin, das im Vergleich zu Geboten regulärer Mitbieter jeweils nächsthöhere Gebot abzugeben. Da außer den unwirksamen Eigengeboten des Verkäufers nur ein reguläres Gebot in Höhe von 1 € abgegeben wurde, war der Kläger mit dem Gebot von 1,50 € Höchstbietender.

Ferner verneinte der BGH zugleich eine Sittenwidrigkeit des Kaufvertrages, der im Ergebnis zu einem weit unter dem Verkehrswert des PKW zustande kam. Der Reiz einer Internetauktion sei gerade, den Auktionsgegenstand zu einem „Schnäppchenpreis“ zu erwerben.

 

BGH, 24.08.2016, VIII ZR 100/15 | OLG Stuttgart, 14.04.2015, 12 U 153/14 | LG Tübingen, 26.09.2014, 7 O 490/13

 

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30.08.2016
eBay-„Abbruchjäger“ handeln rechtsmissbräuchlich

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass sog. „Abbruchjäger“, die auf einen Abbruch von Auktionen spekulieren, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen, rechtsmissbräuchlich handeln. Die vorliegende Schadenersatz-Klage wiesen die Richter indes mangels Prozessführungsbefugnis ab.

Die Klägerin, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), ließ sich durch den Sohn ihres Verwalters ein eBay-Konto einrichten. Dieser gab im Januar 2012 ein Gebot zum Kauf eines gebrauchten Motorrads der Marke Yamaha ab. Der beklagte Verkäufer des Motorrads brach die Auktion bereits am ersten Tag wegen falsch eingetragenen Artikelmerkmalen ab. Der Sohn des Verwalters der Klägerin hatte das einzige Gebot zum Kauf des Motorrads abgegeben. Kurze Zeit später bot der Beklagte das Motorrad erneut zum Kauf auf eBay an. Ein halbes Jahr später forderte die Klägerin den Beklagten auf, ihr das Motorrad zum Preis von 1 € zu überlassen. Da das Motorrad zwischenzeitlich anderweitig veräußert wurde, verlangte die Klägerin unter der Annahme eines Wertes von 4.900 €, Schadenersatz in Höhe von 4.899 €. Noch vor Zustellung der Klage trat die Klägerin ihre Ansprüche aus den eBay-Geschäften unentgeltlich an den Sohn des Verwalters ab.

In erster Instanz hatte die Klage teilweise Erfolg. In zweiter Instanz hingegen wurde die Klage vom Landgericht Görlitz abgewiesen. Die Richter bewerteten das Schadenersatzverlangen als rechtsmissbräuchlich, da der Sohn des Verwalters als „Abbruchjäger“ maßgeblich das Ziel verfolgt habe, im Fall eines Auktionsabbruchs Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

In der Revisionsinstanz wies der BGH die Klage mangels Prozessführungsbefugnis der Klägerin als unzulässig ab. Eine gewillkürte Prozessstandschaft setze ein eigenes schutzwürdiges Interesse des Ermächtigten an der Rechtsverfolgung voraus. Vorliegend fehle es an einem schutzwürdigen Interesse der Klägerin an der Prozessführung. Grundsätzlich könne zwar auch der Verkäufer einer Forderung zur Vermeidung eigener Ersatzverpflichtungen ein berechtigtes Interesse daran haben, die abgetretene Forderung gerichtlich geltend zu machen, allerdings habe die Klägerin ihre Rechte aus den eBay-Geschäften unentgeltlich übertragen, demnach nicht verkauft.

Auf den vom Landgericht als entscheidend betrachteten Aspekt des Rechtsmissbrauchs kam es daher nicht mehr entscheidend an. Gleichwohl brachte der BGH zum Ausdruck, dass ein Rechtsfehler des Berufungsgerichts nicht erkennbar sei und billigte damit konkludent die Annahme rechtsmissbräuchlichen Verhaltens des Klägers.

BGH, 24.08.2016, VIII ZR 182/15 | LG Görlitz, 29.07.2015, 2 S 213/14 | AG Bautzen, 21.11.2014, 20 C 701/12

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22.08.2016
Facebook-Account-Inhaber haftet für Beiträge von Dritten

Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. hat entschieden, dass Inhaber eines Facebook-Accounts für Äußerungen, die Dritte über diesen Account tätigen, haften. In dem Verfahren hatte ein Veranstalter gewerblicher Events geklagt, da auf seiner Facebook-Pinnwand über den Account des Beklagten herabwürdigende Äußerungen zur Sexualität des Klägers sowie weitere Beleidigungen veröffentlicht wurden. Der Kläger verlangte Schadenersatz in Höhe von 3000 Euro wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte.

Die Richter entschieden zugunsten des Klägers und sprachen ihm Schadenersatz in Höhe von 3000 Euro zu. Den Einwand des Beklagten, wonach der streitgegenständliche Eintrag nicht durch ihn selbst, sondern durch einen Dritten über den Account des Beklagten gepostet wurde, wies das Gericht unter Verweis auf die Grundsätze der „Halzband“-Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH, 11.03.2009, I ZR 114/06) zurück. Der BGH hatte entschieden, dass Inhaber eines eBay-Kontos haften, wenn Dritte über das Konto Rechtsverletzungen begehen und die Zugangsdaten nicht hinreichend gesichert wurden. Vorliegend seien die Kontrolldaten und das Passwort des Accounts geeignet, den Facebook-User als Account-Inhaber zu identifizieren und eine rechtsgeschäftliche oder deliktische Inanspruchnahme zu sichern. Daher bestehe gegen den Inhaber des Facebook-Accounts eine unwiderlegliche Vermutung, nach der er so zu behandeln sei, als hätte er selbst den streitgegenständlichen Beitrag verfasst. Die Richter betonten, dass ein Facebook-Account nur einer Person zustehe und diese für die strenge Geheimhaltung des Passworts verantwortlich sei. Erlangen Dritte Zugang und begehen Rechtsverletzungen über den Account, so haftet der Account-Inhaber.

 

OLG Frankfurt a.M., 21.07.2016, 16 U 233/15

 

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05.08.2016
Facebook-Klarnamenpflicht bleibt vorerst bestehen – Zuständigkeit der Datenschützer noch offen

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat eine Beschwerde des Hamburger Datenschutzbeauftragten gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 03.03.2016 im Zusammenhang mit der Klarnamenpflicht auf Facebook zurückgewiesen. Das Verwaltungsgericht Hamburg hatte auf Antrag von Facebook Ireland entschieden, dass die Anordnung des Datenschutzbeauftragten, wonach Facebook eine Nutzung des sozialen Netzwerks unter einem Pseudonym zu ermöglichen hat, einstweilen nicht vollzogen werden darf.

Ausgangspunkt des Verfahrens war, dass Facebook ein unter einem Pseudonym geführtes Konto einer Nutzerin gesperrt hatte. Dies nahm der Hamburger Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit zum Anlass, die Facebook Ireland Limited, zuständig für die Verarbeitung personenbezogener Daten der Nutzer in Europa, zu verpflichten, eine Nutzung des Facebook-Kontos unter einem Pseudonym zu ermöglichen.

Das OVG Hamburg erklärte in dem Beschluss vom 30.06.2016, dass offen sei, ob die Verfügung des Datenschutzbeauftragten rechtmäßig ergangen sei. Dabei sei die Auslegung der EU-Datenschutzrichtlinie entscheidend. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe noch nicht geklärt, ob ein Datenschutzbeauftragter aufgrund nationaler Regelungen gegen eine in Irland ansässige Antragstellerin mit hoheitlichen Mitteln vorgehen darf. Die Zuständigkeitsverteilung und Eingriffsbefugnis deutscher Datenschutzbehörden in dem Fall, dass ein Mutterkonzern im Unionsgebiet mehrere Niederlassungen hat, diese allerdings mit unterschiedlichen Aufgaben betraut sind, sei ungeklärt. Um Klärung durch den EuGH bat bereits das Bundesverwaltungsgericht in einem anderen Verfahren im Rahmen eines sogenannten Vorlageersuchens. Das Interesse des Hamburger Datenschutzbeauftragten und der Facebook-Nutzerin an einer sofortigen Facebook-Nutzung unter einem Pseudonym überwiege nicht. Eine Klärung durch den EuGH bleibt abzuwarten.

OVG Hamburg, 30.06.2016, 5 Bs 40/16

 

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03.08.2016
Effizienzklasse Angaben in Online-Shops auf gesonderter Internetseite zulässig

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Online-Shops Informationen, die die Effizienzklasse von Elektrogeräten betreffen, auf einer verlinkten gesonderten Internetseite bereithalten dürfen. Der Verweis auf eine solche gesonderte Webseite sei rechtmäßig.

In dem Verfahren verkaufte die Beklagte Fernseher in einem Online-Shop. Sie verwies für Angaben zur Effizienzklasse der Fernseher auf eine neue Internetseite. Eine Besucherin der Webseite hielt dies für unzulässig und klagte gegen die Shopbetreiberin. Der BGH begründete seine zugunsten der Betreiberin des Online-Shops ausgefallene Entscheidung damit, dass der europäischen Regelung zur Angabe der Effizienzklasse nicht eindeutig zu entnehmen sei, dass diese auf derselben Webseite stehen muss. Die Angabe müsse lediglich „bei“ dem Produkt, hier dem Fernseher, stehen. Davon sei der Link auf eine gesonderte Internetseite umfasst, so die Richter.

 

BGH, 04.02.2016, I ZR 181/14

 

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23.06.2016
Online-Kontaktformular ohne Datenschutzerklärung wettbewerbswidrig

Unternehmen, die auf ihrer Webseite ein Online-Kontaktformular anbieten, allerdings weder im Rahmen des Formulars noch an anderer Stelle eine Datenschutzerklärung bereithalten, handeln wettbewerbswidrig. Das hat das Oberlandesgericht Köln entschieden.

In dem Verfahren stritten zwei Anbieter von Steuerberatungsdienstleistungen, die beide ein Online-Kontaktformular bereithalten, über die datenschutzrechtlichen Hinweispflichten aus § 13 Telemediengesetz. Nach § 13 TMG müssen Diensteanbieter über Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten in allgemein verständlicher Form unterrichten. § 13 III 1 TMG normiert die Pflicht den Nutzer vor Erklärung einer elektronischen Einwilligung auf sein Widerrufsrecht hinzuweisen. Vorliegend hatte es die Antragsgegnerin versäumt über Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten aufzuklären und auf die Widerrufbarkeit der Einwilligung hinzuweisen. Daraufhin hatte die Antragstellerin zunächst abgemahnt, anschließend eine einstweilige Verfügung beantragt und infolge des diesbezüglichen Widerspruchs ein Urteil des Landgerichts Köln erwirkt.

Die Berufung der Antragsgegnerin wies das Oberlandesgericht Köln zurück. Es sprach der Antragstellerin einen Unterlassungsanspruch aus §§ 3 I, 3a, 8 III UWG iVm § 13 TMG zu.

§ 13 TMG solle die Interessen der Mitbewerber und auch die der Verbraucher schützen. Vorliegend habe die Antragsgegnerin § 13 TMG verletzt, da sie die erforderlichen Angaben, auch das Kontaktformular betreffend, nicht gemacht habe. Die Antragsgegnerin hatte vorgebracht, dass sich die Information erübrigt habe, da sich Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung der personenbezogenen Daten aus dem Kontaktformular selbst ergeben hätten. Damit sei eine Unterrichtung iSd § 13 TMG erfolgt. Das OLG Köln folgte dieser Ansicht nicht. § 13 TMG bezwecke eine allgemein verständliche Unterrichtung. Diese wird nicht entbehrlich weil sich Verbraucher ggf. aus der Art der Datenerhebung und aus den Umständen herleiten können, welche Daten wofür verwendet werden. Es erscheine möglich, dass Verbraucher sich durch einen klar erteilten Hinweis auf die Speicherung und Verwendung der personenbezogenen Daten davon abhalten lassen würden, das Kontaktformular auszufüllen bzw. eine etwaige Einwilligung zu widerrufen.

OLG Köln, 11.3.2016, 6 U 121/15

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21.06.2016
Bild-Zeitung und Bild-Online dürfen Facebook-Profilbilder nicht für „Pranger“ verwenden

Im vorliegenden Verfahren hatte die Antragstellerin auf Facebook einen fremdenfeindlichen Eintrag gepostet. Die Antragsgegnerin kopierte den Eintrag mit Namen und Profilbild und veröffentlichte ihn in der Online-Ausgabe ihrer Zeitung gemeinsam mit anderen fremdenfeindlichen Äußerungen. Wörtlich war u.a. zu lesen: „Deutschland ist entsetzt: Ganz offen und mit vollem Namen wird in sozialen Netzwerken zur Gewalt aufgerufen und gehetzt – […] BILD reicht es jetzt: Wir stellen die Hetzer an den Pranger! […].“ Die Antragstellerin rügte daraufhin eine Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts und beantragte, die Veröffentlichung ihres Bildnisses per einstweiliger Verfügung zu verbieten. Das Landgericht München I wies diesen Antrag durch Urteil zurück.

In der Berufungsinstanz sprach das Oberlandesgericht München der Antragstellerin einen Unterlassungsanspruch nach §§ 823 I, 1004 BGB, 22 KUG, Art. 1 I iVm Art. 2 I GG gegen die Verwendung ihres Bildnisses zu.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass die Antragstellerin weder ausdrücklich noch konkludent in die Veröffentlichung eingewilligt habe. Die Veröffentlichung eines Profilbilds in einem sozialen Netzwerk sei kein Indiz für eine wirksame Einwilligung in die Veröffentlichung in der Online-Ausgabe einer Zeitung. Darüber hinaus liege auch keine Einwilligung in die Weiterverbreitung eines Fotos durch Dritte außerhalb von Facebook vor, wenn beim Foto-Upload von möglichen Zugriffssperren kein Gebrauch gemacht wird. Die Richter verneinten außerdem die Zulässigkeit der Veröffentlichung aufgrund von § 23 Kunsturhebergesetz. Danach dürfen Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte auch ohne Einwilligung der abgebildeten Person veröffentlicht werden. In dem vorliegenden Kontext ging es zwar um die Flüchtlingskrise als Vorgang mit historischer Bedeutung, jedoch bestehe kein berechtigtes Interesse, die Antragstellerin durch die Veröffentlichung des Profilbildes kenntlich zu machen. Anders zu bewerten sei die schlichte Wiedergabe der Äußerung der Antragstellerin. Es sei Aufgabe der Presse, die Flüchtlingsdebatte in ihrer Berichterstattung aufzugreifen und die Haltung der Bevölkerung kritisch zu würdigen. Die Veröffentlichung des Profilbildes allerdings sei nicht sachbezogen. Außerdem sei zu beachten, dass die Breitenwirkung der Veröffentlichung eines Bildnisses in der Online-Ausgabe der Zeitung weit über das hinausgehe was ein bloßer Facebook-Eintrag erreichen könne.

OLG München, 17.3.2016, 29 U 368/16

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09.01.2016
Ab dem 9. Januar 2016 - Neue Informationspflichten für Online-Händler und –Dienstleister

Gleich zu Beginn des neuen Jahres hat sich der europäische Gesetzgeber eine neue Hinweispflicht für Unternehmen, die online Kauf- oder Dienstleistungsverträge mit Verbrauchern abschließen, einfallen lassen.

 
Nach der europäischen Verordnung über Online-Streitbeilegung (Verordnung [EU] Nr. 524/2013, kurz: ODR-Verordnung) müssen diese Unternehmen auf die von der EU-Kommission bereitgestellte Plattform für Online-Streitbeilegung (OS-Plattform) hinweisen (Art. 14 Abs. 1 ODR-Verordnung).
Diese Plattform gibt Verbrauchern und den entsprechenden Unternehmen die Möglichkeit, Streitigkeiten im Zusammenhang mit Kauf- oder Dienstleistungsverträgen, die online abgeschlossen wurden, außergerichtlich zu lösen. Zwar wird diese Plattform erst ab 15. Februar 2016 zur Verfügung stehen, gleichwohl besteht die Hinweispflicht für betroffene Unternehmen bereits jetzt.

 
Zur Erfüllung dieser Hinweispflicht fügen Sie daher bitte ab sofort in Ihren Onlineshop einen entsprechenden Hinweis, wie etwa nachstehend vorgeschlagen, ein und zwar entweder über einen feststehenden Button „Alternative Streitbeilegung“, der auf jeder Seite des Shops integriert ist (wie „Impressum“), oder direkt in das Impressum selbst:

Hinweis: Alternative Streitbeilegung

Die EU-Kommission stellt (ab dem 15. Februar 2016) eine Plattform zur Online-Streitbeilegung bereit. Diese Plattform ist unter http://ec.europa.eu/consumers/odr/ erreichbar.“

 

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